Pressemitteilung 25. 03. 2026
Der Verband Sonderpädagogik e.V., Landesverband Sachsen-Anhalt unterstützt die Proteste gegen die geplanten Honorarkürzungen in der ambulanten Psychotherapie ausdrücklich und mit Nachdruck.[1][
Die vom GKV-Spitzenverband beschlossene Absenkung der Honorare für psychotherapeutische Leistungen um 4,5 Prozent ab dem 1. April – faktisch rund 2,3 Prozent im Jahresmittel – sendet ein verheerendes Signal in eine ohnehin angespannt Versorgungslage. Schon heute warten Kinder und Jugendliche vielerorts monatelang auf einen Therapieplatz; Fachverbände und Landespatientenschutz warnen seit Langem vor einer Verschärfung der Unterversorgung. Wenn in dieser Situation Leistungen abgewertet werden, drohen weniger verfügbare Therapieplätze, reduzierte Sitzungsumfänge und ein weiterer Rückzug von Therapeuten aus der GKV‑Versorgung.[[2]
Insbesondere für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Bereich der emotional‑sozialen Entwicklung sind stabile, niedrigschwellige psychotherapeutische Angebote jedoch eine zentrale Voraussetzung für schulische Teilhabe und erfolgreiche Bildungsbiografien. Viele dieser Kinder zeigen ausgeprägte Verhaltensauffälligkeiten, internalisierende Störungsbilder oder Traumafolgen, die im schulischen Rahmen allein nicht adäquat aufgefangen werden können. Werden ambulante Psychotherapie-Kapazitäten abgebaut, verschärfen sich Konflikt- und Krisendynamiken unmittelbar in den Klassen, Förderzentren und inklusiven Lerngruppen. Pädagogische Fachkräfte werden dann immer häufiger auf sich allein gestellt mit hochkomplexen psychischen Problemlagen, für die es einer multiprofessionellen Unterstützung bedarf.
Die Proteste von mehreren hundert Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten am 19. März in Magdeburg gegen die Honorarkürzungen machen uns darauf aufmerksam, dass psychische Gesundheit kein Luxus und Psychotherapie kein Sparprogramm ist. Wir teilen diese Einschätzung ausdrücklich: Einsparungen in der psychotherapeutischen Versorgung treffen Kinder und Jugendliche mit besonderem Förderbedarf überproportional stark, weil ihre Familien häufig auf kassenfinanzierte Leistungen angewiesen sind und kaum Ausweichmöglichkeiten in den privaten Bereich haben. [1]
Hinzu kommt, dass Lehrkräfte selbst in zunehmendem Maß psychisch belastet sind und insbesondere in Belastungs‑ und Überlastungskrisen auf eine verlässliche psychotherapeutische Versorgung angewiesen sind. Steigende Fallzahlen, herausfordernde Klassensituationen und der hohe Anteil an Schülerinnen und Schülern mit komplexem Unterstützungsbedarf führen zu einem erhöhten Risiko für Erschöpfungs- und stressassoziierte Erkrankungen. Werden nun ausgerechnet die Strukturen geschwächt, die Lehrkräften im Krisenfall professionelle Hilfe bieten, gefährdet dies mittelbar auch die Qualität von Unterricht und Förderung an unseren Schulen. [2]
Wir schließen uns daher den Forderungen der psychotherapeutischen Berufsverbände und Ausbildungsverbünde nach einer Rücknahme der Honorarkürzung und nach einer verlässlichen, kostendeckenden Vergütung psychotherapeutischer Leistungen an. Notwendig ist eine nachhaltige Stärkung der ambulanten psychotherapeutischen Versorgung, insbesondere für Kinder und Jugendliche, anstatt weiterer ökonomischer Einschränkungen. Die Politik ist aufgefordert, die geplanten Kürzungen zurückzunehmen, die realen Praxiskosten und den gesellschaftlichen Auftrag der Psychotherapie anzuerkennen und gemeinsam mit Bildungs- und Gesundheitsakteuren Versorgungskonzepte zu entwickeln, die Schulen systematisch einbeziehen.[3
Als Landesverband des bundesweiten Fachverbandes Sonderpädagogik e.V. fordern wir Bund, Länder und den GKV‑Spitzenverband auf, die Perspektive von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf und ihrer Lehrkräfte ernst zu nehmen. Psychische Gesundheit ist eine grundlegende Voraussetzung für Bildungsgerechtigkeit – ihre Gefährdung durch kurzfristige Sparbeschlüsse ist bildungspolitisch und gesellschaftlich nicht verantwortbar.
Quellen: